Die Diepholzer Gans - Gefährdete Rasse des Jahres 1994

Herkunft gefldiep

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der hannoverschen Grafschaft Diepholz aus Landgänsen die Diepholzer Gans. Seit mehr als hundert Jahren wird sie vor allem im Raum Diepholz an der Hunte, Hoya, Nienburg, Uchte und Bramsche gezüchtet. Im Jahre 1921 wird die Diepholzer Gans von Düringen in dem Buch „Geflügelzucht“ als 4. Gänserasse neben den Oberlausitzern, den Mecklenburger Gänsen und den Voigtländer Gänsen beschrieben. Bis zum Jahr 1935 weideten die Diepholzer Gänse in großen Herden auf den anmoorigen Bruchweiden mit Süß- und Sauergräsern, die zu den Gemeindegründen von Diepholz gehörten. Leichtfuttrigkeit und gute Weidegängigkeit waren wichtig, da die relativ mageren und feuchten Weiden mit ihrem hohen Anteil an Sauergräsern eine schlechte Futterbasis darstellten. Auch weil diese Gemeindegründe aufgelöst wurden gingen die Bestände der Diepholzer Gans zurück.


Merkmale und Eigenschaften

Die Diepholzer Gans ist ein besonders wirtschaftliches Tier. Den ganzen Sommer über kann sie auf nährstoffarmen, jedoch ausreichend großen Weiden, ohne Beifütterung gehalten werden. Selbst Flussniederungen mit einem hohen Anteil an Sauergräsern werden problemlos angenommen. Ihre Weidefähigkeit ist hervorragend, sie stellt dank ihrer guten Futterverwertung nur geringe Ansprüche an die Qualität der Weide. Ferner ist die Diepholzer Gans außerordentlich vital. Sie besitzt eine sehr gute Marschfähigkeit, weshalb sie früher, aus Mangel an Transportmitteln, in Eilmärschen zu den Märkten nach Bremen (ca. 70 km) und auch nach Köln getrieben werden konnte.

Ein weiterer Vorzug ist das ausgezeichnete Fleischbildungsvermögen. Die Diepholzer Gans entwickelt in den wertvollen Teilstücken Brust und Keule eine enorme Fleischfülle von sehr guter Qualität. Das Fleisch ist fettarm und fest, gleichzeitig aber auch sehr zart. Die Befruchtung bei Diepholzer Gänsen ist problemlos auch ohne Wasser möglich. Dank ihrer Frühreife beginnt die Diepholzer Gans im September mit dem 1. Gelege, das 15 bis 18 Eier umfassen kann. Werden die Gössel des 1. Geleges künstlich aufgezogen, so beginnt die Gans bei entsprechender Fütterung im Winter das 2. Gelege mit 12 bis 15 Eiern zu legen. Im Frühjahr gibt es dann noch eine 3. Legeperiode mit 8 bis 12 Eiern. Die Gössel des 3. Geleges sollte man der Gans dann zur natürlichen Aufzucht überlassen. Allerdings werden heute weder das Herbstgelege noch die Gösselaufzucht nach dem Wintergelege von den Züchtern genutzt. Die frühere Nutzung des Septembergeleges resultierte aus den damals bestehenden Problemen der Frischfleischlagerung. Die Diepholzer Gans verfügt noch über die alten Landganseigenschaften. Dazu gehören eine ausgezeichnete Brütigkeit, ein besonders ausgeprägtes Brutpflegebedürfnis mit hervorragender Brutpflegeeignung und das umsichtige Führen der Gössel. Der Ganter erreicht ein Gewicht von 7 kg. Sein Rumpf ist mäßig breit und tief, dabei aber kräftig gebaut und gut gerundet. Der Kopf ist mittellang und hat eine flache, von der Seite her gesehen leicht gewölbte Stirn. Der gestreckte, nicht zu lange Schnabel hat eine rötliche Färbung. Die Spitze ist leicht gebogen, die Bohne oval und von blasser Farbe. Die Augen sind dunkelblau und von einem schmalen orangegelben Ring eingefasst. Der reichlich mittellange Hals ist im Nacken leicht gebogen. Er wird aufrecht getragen und ist schlank, am Ansatz sogar dünn. Der Rücken verläuft geradlinig und fällt, infolge der etwas angehobenen Brust, nach hinten hin ziemlich schräg ab. Die abgerundeten Schultern sind gut entwickelt. Der Bauch hat keine Wamme und darf nicht zu tief herunterhängen, weist aber doch eine volle Rundung auf.

Der Schwanz steht beinahe waagerecht hervor und wird geschlossen getragen. Die festen Flügel liegen hoch an. Die Spitzen der Handschwingen kreuzen sich über dem Steiß leicht. Die mittellangen Schenkel treten etwas hervor. Die Diepholzer Gans hat starke, aber nicht grobknochige Läufe von rötlicher Farbe. Das dichte Gefieder liegt straff an. Diepholzer Gänse sind immer rein weiß. Die Gans erreicht ein Gewicht von 5,5 bis 6 kg. Das Bruteier-Mindestgewicht beträgt 140 g. Die Schalen der Eier sind weiß. Vom Aussehen her erscheint die Gans etwas kleiner und feiner als der Ganter, da ihr Rumpf nicht so aufrecht getragen wird. Diepholzer Gänse werden – wie auch Gänse anderer Rassen – bei fürsorglicher Pflege sehr zutraulich und zahm.

Horst Marks, Journalist: „ Von großem Vorteil für die Diepholzer Gänse war und ist, dass versierte Züchter bereits Anfang der dreißiger Jahre unter Anleitung der Landwirtschaftskammer (LWK) Hannover einen Herdbuchverein für diese Rasse gründeten. Zu dessen Vorstand gehört stets ein Vertreter der LWK. Derzeit ist das G. Schuster, der sich sehr engagiert für den Verein und die Förderung der Rasse einsetzt. Der Herdbuchverein zählt derzeit 37 Mitglieder, davon 19 Züchter in Niedersachsen. Vorsitzender der Vereins ist Heinrich Bollhorst, Sankt Hülfe bei Diepholz. Er ist als Rassegeflügelzüchter im Diepholzer RGZ-Verein und im SV Deutscher Gänsezüchter organisiert, wo er verantwortlich für die Betreuung der Züchter von Diepholzer Gänsen ist. Die anderen Züchter sind ebenfalls Mitglied im BDRG und sehr ausstellungsfreudig, so dass z.B. auf den Kreisschauen in Diepholz oder zur Deutschen Junggeflügelschau in Hannover stets beachtliche Kollektionen dieser Rasse gezeigt werden. Diese Kombination des selbständigen, vom BDRG unabhängigen Herdbuchvereins im Aufgabenbereich des LWK Hannover mit den Rassegeflügelzüchtern bewährt sich hervorragend. Dadurch wird diese Rasse erhalten und bestens gefördert. In heutiger Zeit zeigt sich, dass Naturschützer nach Möglichkeiten passender Pflege von Flächen in Landschafts- und Naturschutzgebieten suchen. In alten Zeiten haben das Gänse wohl recht gut gemacht, indem sie derartige Flächen schonend beweideten. Warum sollte das heute nicht mehr möglich sein? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Mitglieder des Herdbuchvereins seit einigen Jahren. Sie fanden für diese Überlegungen vielerorts offene Ohren und erreichten fruchtbringende Zusammenarbeit. So kam im Bereich der Huntebruchwiesen am Dümmersee ein Projekt zustande, an dem sich die Bezirksregierung in Hannover, die Naturschutzstation Dümmer, die Landwirtschaftskammer Hannover und der Herdbuchverein zu einem Modellvorhaben zusammenfanden, das u.a. vom Verein zur Förderung des Naturschutzes e.V. unterstützt wird.“
 

Aktuelle Situation

Im Jahr 2005 wurden bei einer bundesweiten Bestandserfassung 382 weibliche und 153 männliche eingetragene Zuchttiere registriert. Die Diepholzer Gans ist in ihrem Bestand extrem gefährdet und wird in der Kategorie I der Roten Liste der GEH geführt.

Ein Informationsservice der GEH e.V.
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